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Donnerstag, 9. September 2010
Landrat: "Am hohen Anspruch festhalten"
Kreis Kleve – „Die seit Monaten schlechte wirtschaftliche Gesamtsituation trifft leider, wenn auch erwartungsgemäß, immer mehr die langzeitarbeitslosen Menschen im Kreis Kleve“, lautet das ernüchternde Fazit von Landrat Wolfgang Spreen bei der Vorstellung der Hartz IV Jahreszahlen 2009. Spreen: „Der Anstieg um insgesamt 669 Bedarfsgemeinschaften in 2009 verdeutlicht, dass die im vergangenen Jahr vermittelten 3.165 erwerbsfähigen Hilfebedürftigen (ein deutlicher Rückgang um 925 zu 2008) hier den Zuwachs nicht ausgleichen konnten. Und die aktuellen Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit lassen darauf schließen, dass ein Ende dieser Entwicklung für die von uns betreuten Menschen trotz der Bemühungen aller Beteiligten in den nächsten Monaten noch nicht zu erwarten ist“, macht der Landrat wenig Hoffnung auf eine kurzfristige Trendwende.
Aktuell 172 Bedarfsgemeinschaften mehr
Im Monat Januar ist die Anzahl der zu betreuenden Bedarfsgemeinschaften (BG) im Kreis um 172 gestiegen. Im diesem Monat sind 7.803 (Dezember 7.631) Männer und Frauen mit ihren Familien auf die finanzielle Unterstützung durch das Arbeitslosengeld II angewiesen.
Problemdichte
Die durchschnittliche Problemdichte bei den BG im Kreisgebiet ist im vergangenen Jahr von 22,6 (Januar 2009) um 2,1 auf 24,7 (Dezember 2009) angestiegen. Sie hat sich aktuell im Januar 2010 noch mal um 0,6 auf 25,3 erhöht.
Vermittlungen in 2009 deutlich rückläufig
Die Gesamtzahl der Vermittlungen in den 1. Arbeitsmarkt ist in 2009 im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 925 auf 3.165 zurückgegangen. Hier ist insbesondere bei der Vermittlung in Vollzeitarbeitsplätzen mit 1.418 zu 2008 (2.337) ein Minus von 919 zu verzeichnen.
Im Dezember 2009 sind 201 Personen in eine Arbeitsstelle vermittelt (Vormonat 273) worden. Die durchschnittliche Integrationsquote liegt damit aktuell bei 1,8 Vermittlungen je 100 erwerbsfähige Hilfebedürftige (Vormonat 2,5).
Gesamtkosten 2009 rund 99,2 Mio. €, Anteil des Kreises bei 21,6 Mio. €
Zur Erfüllung des gesamten Aufgabenspektrums des SGB II hat der Kreis Kleve in 2009 einen Gesamtbetrag in Höhe von rund 99,2 Mio. € aufgewendet (5,9 Mio. € mehr als 2008). Diese verteilen sich mit 51,1 Mio. € (plus 3,9 Mio. €) auf das Arbeitslosengeld II, 19,1 Mio. € (plus 900 Tsd. €) auf Integrationsleistungen und fast 29 Mio. € (plus 1,1 Mio. €) auf Kosten der Unterkunft, wovon der Kreis Kleve einen Anteil von etwa 21,6 Mio. € (plus 1,7 Mio. €) zu tragen hatte.
4,6 % Anteil an Kreisbevölkerung
Die schwierige Gesamtsituation zeigt sich auch in 2009 beim kontinuierlichen Anstieg der erwerbsfähigen Hilfeempfänger. Von 10.112 im Januar stieg die Zahl trotz der monatlichen Vermittlungserfolge bis zum Dezember 2009 um 829 auf 10.941. Bei den Sozialgeldempfängern (überwiegend Kinder) ist im vergangenen Jahr erfreulicherweise nur eine geringfügige Steigerung um 74 auf 3.359 zu verzeichnen. Insgesamt waren am Ende des Jahres 2009 kreisweit 14.300 auf SGB II Leistungen angewiesen. Das entspricht einem Anteil an der Kreisbevölkerung von rund 4,6%, im Land lag dieser bei 8,8%, im Bund bei 7,8%.
Im Januar ist die Zahl der erwerbsfähigen Hilfebedürftigen weiter um 218 auf 11.159 angestiegen. Dagegen konnte sie bei den Sozialgeldempfängern um 61 auf 3.285 reduziert werden.
Am hohen Anspruch festhalten
Landrat Wolfgang Spreen appelliert an alle Beteiligten, sich von den derzeitigen negativen Auswirkungen der gesamtwirtschaftlichen Situation nicht entmutigen zu lassen. Spreen: „Die Erfolge, die wir mit unseren Partnern als Optionskommune seit 2005 vorzuweisen haben, sprechen für sich und weisen unter dem Strich immer noch ein deutlich positives Gesamtergebnis sowohl bei der Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften (868 weniger) als auch bei den Vermittlungserfolgen (insgesamt 19.205) aus. Darüber hinaus gibt es erste Signale, dass die Talsohle der Wirtschaftskrise überwunden ist, auch wenn hiervon kurzfristige positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt nicht zu erwarten sind. Dennoch sollte auch diese Einschätzung für uns und unsere Partner Ansporn sein, unseren hohen Anspruch weiter zu verfolgen, soviel Menschen wie möglich wieder in die Lage zu versetzen, ihren Lebensunterhalt unabhängig von SGB II-Leistungen zu bestreiten.“
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