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Titelfoto: Fahrradfahrer auf dem Deich Titelfoto: Ansicht des Ausländeramtes Titelfoto Kreis Kleve Titelfoto: Ansicht der Kreisverwaltung in Kleve

12.06.2019

Gemeinsamer Kampf gegen multiresistente Erreger

Netzwerkveranstaltung im Kreis Kleve

 

Kreis Kleve - Einmal jährlich lädt die Abteilung Gesundheitsangelegenheiten zur „Netzwerkveranstaltung gegen die zunehmende Verbreitung von multiresistenten Erregern (MRE)“ ins Kreishaus ein. Bereits zum elften Mal kamen in diesem Jahr Hygienevertreter der Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulanten Pflegedienste, niedergelassene Ärzte sowie weitere Fachleute zusammen, um sich über die aktuellen Entwicklungen und Erfahrungen mit den nur schwer mit Antibiotika zu behandelnden Erregern auszutauschen.

Beim diesjährigen Treffen stellte die Leiterin der Abteilung Gesundheitsangelegenheiten, Dr. Martina Scherbaum, zunächst die aktuellen MRE-Daten der Krankenhäuser im Kreis Kleve vor. Es ist zu verzeichnen, dass die MRSA-Fallzahlen für den Kreis rückläufig sind. MRSA steht für Methicillin-Resistenter-Staphylokokkus-Aureus und ist einer der Infektionskeime, die insbesondere im Zusammenhang mit medizinischen Behandlungen zu schwerwiegenden Komplikationen führen können. In den Krankenhäusern im Kreis Kleve wurden im Jahr 2018 49.119 Nasenabstriche zur Erkennung einer Besiedlung mit dem Keim MRSA vor stationärer Aufnahme gemacht. „Im bundesdeutschen Vergleich ist das eine hohe Anzahl“, so Dr. Martina Scherbaum.

Im Fokus standen dieses Jahr Erreger von Durchfallerkrankungen, sogenannte Enterokokken sowie das Bakterium Clostridioides difficile. Beide kommen natürlicherweise im menschlichen Darmtrakt vor. Erst durch eine zuvor erfolgte Antibiotikatherapie können Infektionen ausgelöst werden. Besonders gefährdet sind immungeschwächte und ältere Personen. Dr. Martina Scherbaum informierte die Zuhörer über Erreger, die gegen das Antibiotikum Vancomycin resistent sind, sogenannte VRE: „Nicht nur im Darm, sondern auch auf der Haut, den Händen und in der Umgebung des Patienten können diese zu den Enterokokken gehörenden Erreger lange überleben - fünf Tage auf Flächen, 30 Minuten bei 60 Grad - und werden leicht auf Kontaktpersonen übertragen.“ Für gesunde Personen sind diese jedoch nicht gefährlich. Im Krankenhaus sind jedoch zusätzliche Hygienemaßnahmen zu ergreifen, beispielsweise eine Einzelzimmerunterbringung und erhöhte Desinfektionsmaßnahmen.

Anschließend referierte Dr. Ufuk Gündug, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Diabetologie, Hypertensiologie und Infektiologie am St.-Antonius-Hospital Kleve über Clostridioides difficile-assoziierte Durchfallerkrankungen (CDAD). Er wies darauf hin, dass der hohe Antibiotikaeinsatz das Risiko einer Infektion mit Clostridioides difficile begünstigt. „Die Infektion kann von leichten Durchfällen zu schwersten Krankheitsverläufen mit Darmdurchbruch bis hin zum Tode führen.“ Bei 25 Prozent der behandelten Patienten kann es innerhalb von 30 Tage zu Rückfällen kommen. Längere Klinikaufenthalte und gesteigerte Krankenhauskosten sind die Folgen.

Für Patienten mit CDAD sind in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen besondere Hygienevorkehrungen zu treffen. Hierüber informierte Martina Düpetell, Fachkraft für Hygiene und Infektionsprävention der pro homine gGmbH in ihrem Vortrag. „Die zügige Umsetzung von Hygienemaßnahmen durch geschultes Personal ist für die Unterbrechung der Infektionskette äußerst wichtig“, riet Düpetell. Ein besonderes Augenmerk ist hier auf die Händehygiene zu legen. Da die Bakterien gegenüber Desinfektionsmitteln resistent sind, sind die Hände im Anschluss an eine Händedesinfektion mit Wasser und Seife zu waschen. 

Die Veranstaltung im Kreishaus war mit 72 Teilnehmern sehr gut besucht. „Mit den regelmäßigen Treffen im MRE-Netzwerk gewährleisten wir gemeinsam, dass der Hygienestandard im Kreis Kleve sein hohes Niveau behält. Der Austausch über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und die Festlegung gemeinsamer Standards schützen letztlich vor allem die Patientinnen und Patienten im Kreis Kleve“, versichert Dr. Martina Scherbaum.

Weitere Informationen sind hier einsehbar. Dort finden Interessierte Informationsfaltblätter zum Thema MRE und Antibiotika.

PM19-074-Foto MRE-Netzwerkveranstaltung

Dr. Martina Scherbaum (Mitte) lädt einmal jährlich zum MRE-Netzwerk ein. Sie referierte mit Dr. Ufuk Gündug und Martina Düpetell zu Themen rund um multiresistente Keime.